Druckkosten pro Seite berechnen: Die Anatomie der MPS-Preisgestaltung
Im Managed-Print-Geschaeft (MPS) bildet eine einzige Kennzahl das Rueckgrat jedes Vertrags: die Kosten pro Seite (Cost-per-Page, CPP). Diese Zahl entscheidet sowohl ueber die Marge des MPS-Anbieters als auch ueber die Budgetsicherheit des Kunden. Die Frage "Wie berechnet man die Druckkosten pro Seite?" ist jedoch vielschichtiger, als sie zunaechst wirkt, denn CPP ist nicht einfach der Tonerpreis geteilt durch die Seitenzahl. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie der MPS-Preisgestaltung, die Bestandteile eines korrekten CPP-Modells und den Rahmen der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO).
Die Grundformel der Kosten pro Seite
In ihrer einfachsten Form sind die Kosten pro Seite die Summe aller direkten und indirekten Ausgaben fuer das Drucken einer Seite, geteilt durch die Gesamtzahl der im jeweiligen Zeitraum gedruckten Seiten:
CPP = (Gesamte Druckkosten) / (Gesamtzahl gedruckter Seiten)
Der entscheidende Punkt ist nicht der Nenner, sondern der Zaehler. Die "gesamten Druckkosten" werden haeufig unvollstaendig erfasst. Nur die Verbrauchsmaterialien zu zaehlen bedeutet, einen erheblichen Teil der tatsaechlichen Kosten zu uebersehen.
In der Praxis wird CPP getrennt berechnet: als Schwarzweiss-CPP (Mono) und als Farb-CPP (Color). Diese Trennung ist zwingend, da eine Farbseite deutlich hoehere Verbrauchs- und Verschleisskosten verursacht als eine Monoseite. Auch der Anbietervertrag enthaelt in der Regel zwei getrennte Einzelpreise.
Die Kostenbestandteile der CPP
Ein korrektes CPP-Modell umfasst folgende Posten:
- Verbrauchsmaterial: Toner oder Tinte, Drum/Imaging Unit, Fixiereinheit (Fuser), Transferband und andere periodisch zu wechselnde Teile. Massgeblich ist hier die vom Hersteller angegebene Seitenreichweite (Yield, also wie viele Seiten eine Tonerkartusche ungefaehr druckt).
- Wartung und Ersatzteile: vorbeugende Wartungsbesuche, bei Stoerungen getauschte Teile, Arbeitszeit der Aussendiensttechniker.
- Geraeteabschreibung oder Miete: Verteilung des Anschaffungspreises ueber die Lebensdauer auf die Seite oder Umlage der Miet-/Leasingrate auf die Seite.
- Logistik und Lagerhaltung: Beschaffung, Lagerung und Auslieferung der Verbrauchsmaterialien.
- Operativer Gemeinkostenanteil: Service-Desk, Monitoring, Reporting und Verwaltungsaufwand.
Ein verbreiteter Irrtum in der Branche besteht darin, Papier und Stromverbrauch auszublenden. Untersuchungen zufolge koennen Papier und Energie einen nicht zu vernachlaessigenden Anteil an den tatsaechlichen Kosten eines Druckvorgangs ausmachen; werden diese Posten weggelassen, liegt die CPP unter der Realitaet und die Vertragsmarge schmilzt.
Der Unterschied zwischen CPP und TCO
Die Kosten pro Seite sind nur ein Bestandteil der Gesamtbetriebskosten (TCO). Die TCO umfassen saemtliche Kosten, die eine Druckumgebung ueber ihren Lebenszyklus verursacht: Geraeteinvestition, Verbrauch, Wartung, Energie, Stellflaeche, IT-Integration sowie verborgene Kosten (etwa Anwenderineffizienz, Sicherheitsrisiken, ungenutzte Geraete).
Das Kernversprechen von MPS besteht darin, verstreute und unsichtbare Druckkosten messbar und vorhersehbar zu machen. In vielen Organisationen ist unbekannt, wo, von wem und auf welchem Geraet hunderte Seiten gedruckt werden; das laesst die TCO im Nebel. Das CPP-Modell ist der erste Schritt, diesen Nebel zu lichten.
Ohne Messung keine Preisgestaltung
Eine korrekte CPP- und TCO-Rechnung haengt von verlaesslichen Felddaten ab. Die dafuer noetigen Grunddaten sind:
- Zaehlerstaende (Mono/Farbe/Gesamt), geraetebezogen und periodisch.
- Geraeteinventar: Marke, Modell, Seriennummer, Standort.
- Stoerungs- und Einsatzprotokolle: welches Geraet wie oft ausfaellt, wie lange der Einsatz gedauert hat.
Printage (v0.1.0, installiert und deploybar), der MPS-Service-Desk-Kern des TYS Dijital Performans Pakets, stellt genau diese Datenschicht bereit. Printage ist ein mehrrolliges (Kunde/Techniker/Admin/Superadmin) und mandantenfaehiges Portal: Serviceanfragen werden mit Geraete-Seriennummer, Fehlercode und Prioritaet angelegt, Zaehlerstaende (Mono/Farbe/Gesamt) werden geraetebezogen gefuehrt, und ueber ein Dashboard lassen sich die Status Offen/In Bearbeitung/Abgeschlossen verfolgen.
Auf der Reporting-Seite gibt Printage die Daten zu geraetebezogener Stoerungshaeufigkeit und Einsatzdauer als CSV-Export (Excel-kompatibel) aus. Diese Rohdaten lassen sich nutzen, um die Wartungs- und Einsatzkosten pro Seite realistisch zu modellieren. Die nicht-verbrauchsbezogenen Posten der CPP-Rechnung (Wartung, Ersatzteile, Einsatzaufwand) werden erst mit solchen protokollierten Felddaten belastbar; eine auf Schaetzung beruhende CPP gefaehrdet die Vertragsmarge.
Fazit
Die Druckkosten pro Seite sind weit mehr als der Tonerpreis geteilt durch die Seitenzahl. Eine korrekte CPP ist ein Modell, das Verbrauch, Wartung, Geraet, Logistik und operativen Gemeinkostenanteil umfasst, das nach Mono und Farbe getrennt ist und das auf verlaesslichen Felddaten beruht. Die CPP wiederum ist nur ein Teil des groesseren TCO-Bildes. Fuer den MPS-Anbieter ist ein disziplinierter CPP/TCO-Ansatz die Grundlage sowohl einer gesunden Marge als auch des Versprechens der Vorhersehbarkeit gegenueber dem Kunden. Was diese Disziplin traegt, ist nicht die Schaetzung, sondern die gemessene Datenbasis.